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Haltung von Akazienratten (Thallomys nigricauda)

Dieser Haltungsbericht beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Meine Tiere
Am 27.09.06 erhielt ich ein Pärchen Akazienratten aus der Zucht von Stefan Schumacher (jaculus). Beide Tiere sind wildfarben gescheckt, und da die Scheckung bei Akazienratten rezessiv vererbt wird, sind auch alle Nachkommen gescheckt. Das Weibchen Bianca ist Ende Juni 06 geboren, das Männchen Bernhard Anfang Mai 06.
Der erste Wurf ließ nicht lange auf sich warten und kam am 28.10.06 zur Welt, zwei männliche Jungtiere. Am 16.12.06 folgte der zweite, diesmal waren es drei Männchen. Die Tragzeit betrug in beiden Fällen 27 Tage. Überrascht hat mich Biancas dritter Wurf am 26.02.07, da die letzte Paarung, die ich beobachten konnte, schon sechseinhalb Wochen zurücklag und ich von einer Trächtigkeit nichts bemerkt hatte. Diesmal waren es endlich zwei Weibchen, so dass ich die Gruppe am 16.03.07 nach Geschlechtern trennen konnte. Am 29.03.07 folgte dann noch ein vierter Wurf nach ebenfalls 27 Tagen Tragzeit, wieder zwei Weibchen.
Inzwischen habe ich alle Weibchen abgegeben und nur die sechs Männchen behalten.
 
  


Unterbringung
Die Gruppe lebte anfangs in einer Voliere mit den Maßen 85 cm (b) x 55 cm (t) x 120 cm (h). Die Männchen zogen dann in einen umgebauten Kleiderschrank mit den Maßen 90 cm (b) x 55 cm (t) x 172 cm (h). Nach Abgabe der Weibchen steht die Voliere jetzt leer, und es ist beruhigend zu wissen, dass für Notfälle ein Ausweichquartier vorhanden ist.
 
      

Es stehen zwei Schlafhäuser zur Verfügung, geschlafen wird aber meistens gemeinsam.
Klettermöglichkeiten sollten zahlreich vorhanden sein sowie Sitzflächen und Versteckmöglichkeiten. Meine Akazienratten springen nicht gerne, balancieren aber über noch so dünne Zweige, sofern sie nur tragfähig sind.
Aquarien halte ich für ungeeignet. In einem Käfig können auch die Seiten zum Klettern genutzt werden, die Einstreuhöhe ist dagegen unerheblich. Die Tiere halten sich zwar zur Nahrungssuche und zum Fressen auch am Boden auf, wühlen und graben aber nicht. Als Ruheplätze und Ausguck bevorzugen sie höher gelegene Flächen.
Sollte man ein Terrarium mit glatten Wänden nehmen, kann man die Seiten mit Maschendraht oder Jutesäcken bespannen, um mehr Kletterfläche zu schaffen.
Übrigens: Wenn im Käfig Jungtiere einziehen sollen oder Nachwuchs geplant ist, sollte man auf einen nicht zu großen Gitterabstand achten. Elf Millimeter sind definitiv zu viel, wie mir meine kleinen Biester jeden Morgen fröhlich demonstrierten, wenn sie mich aus den verschiedensten Zimmerecken begrüßten. Und selbst Erwachsene passen durch Lücken, die man niemals für groß genug gehalten hätte.
 
  



Ernährung
Im Gegensatz zu Rennmäusen muss man bei Akazienratten nicht so sehr auf die Kalorien achten. Papageienfutter wird gern genommen, auch wenn einiges aussortiert wird. Rattenfutter verweigern meine Tiere; eine eigene Mischung, die sowohl fetthaltige als auch mehlhaltige Samen enthält, kommt dagegen gut an. Hier kann man herumprobieren, was am besten schmeckt. Beliebt sind auch Hirsekolben. Knabberstangen, Joghurtdrops, Bananenchips, Kürbiskerne, Johannisbrot - es darf verwöhnt werden.
Zur Versorgung mit tierischem Eiweiß sind Mehlwürmer heiß begehrt, von denen jedes Tier fast täglich einen bekommt. Den Fingern zuliebe sollte man sie mit einer Pinzette reichen, denn wenn sie den Wurm erblicken, werden aus Mäusen Raubtiere. Vorübergehend wurde auch Igelfutter und Katzentrockenfutter akzeptiert, zur Zeit jedoch nicht mehr.
An Frischfutter ist Obst am beliebtesten, allem voran die Banane. Tomate, Paprika und Gurke fressen sie auch, ebenso Löwenzahn, Gras und Möhrenkraut.
 
  

Wasser biete ich in einer Kugeltränke an, sie trinken jedoch erstaunlich wenig. Der Wasserstand sinkt in der Regel kaum messbar.

Reinigung
Meine Akazienratten geben der geringen Flüssigkeitsaufnahme entsprechend nur wenig Urin ab. Anfangs landete das meiste in den Schlafhäusern. Diese habe ich mit einer dicken Schicht Baumwolleinstreu (No Smell) versehen, die Feuchtigkeit gut aufnimmt. Alle paar Tage wurden die Häuschen gereinigt und mit Essigwasser ausgespült, was den Geruch gut entfernt. Seit die Männchen unter sich sind, bleiben die Nester trocken, allerdings machen sie sonst überall hin, so dass die Einrichtung und die Gitterstäbe nach einiger Zeit klebrig werden. Deshalb sollte man schon bei der Käfigausstattung an die Reinigungsmöglichkeit denken. Die Einstreu muss dagegen selten erneuert werden.
Der Kot besteht aus festen, trockenen und geruchlosen Köteln.
(Der schmierige Belag und der kräftige Geruch sind nur bei unkastrierten Männchen ausgeprägt, im Weibchenkäfig fiel es mir nicht so stark auf. Bei Kastraten soll es sich ähnlich wie bei Weibchen verhalten.)

Verhalten
Im Großen und Ganzen leben die Tiere bei mir friedlich zusammen. Als Männchen und Weibchen noch gemeinsam untergebracht waren, wurde das Weibchen manchmal etwas zickig und jagte ein Männchen durch den Käfig. Das sah schon ein wenig gemein aus, weil es dabei in die Flanke biss. Manchmal beobachte ich diese Aggression auch jetzt noch unter den Männchen. Da sich aber immer wieder alle zum Gruppenkuscheln zusammenfinden, scheint es noch nicht allzu schlimm zu sein.
Eigentlich sind die Tiere nachtaktiv, können es aber doch nicht lassen, auch tagsüber nach dem Rechten zu sehen, wenn in „ihrem“ Zimmer etwas los ist. Spätestens zur Fütterungszeit gegen 19 Uhr kommt Leben in die Bude.
Schwer zu beantworten ist die Frage nach der Zutraulichkeit. Das Weibchen nahm dabei eine Sonderstellung ein. Jeden Abend verließ es beim Füttern den Käfig und nahm sich Auslauf. Was anfangs unbeabsichtigt geschah, ließ ich schließlich bewusst zu, weil ich sicher sein konnte, dass ich es nach einiger Zeit zurücksetzen konnte. Spätestens, wenn die Hungrige bemerkte, dass im Käfig frisches Futter war, kam sie bereitwillig auf meinen hingestreckten Arm. Meine Freude darüber war allerdings zwiespältig, denn obwohl sie freiwillig zurückkam, konnte sie es nicht lassen, mich dabei in den Finger zu zwicken, als wollte sie mich warnen, dass ich mir nur ja keine Freiheiten herausnehmen sollte. Die Männchen schnuppern an der Hand, sind aber sehr viel zögerlicher. Nun muss ich allerdings dazusagen, dass ich es auf Zähmung nie wirklich angelegt habe. Sicher ließe sich hier noch einiges mehr erreichen.
 
  

Eine Besonderheit soll unter Verhalten noch aufgeführt werden, da ich auf die Zucht nicht weiter eingehe: Die Weibchen haben nur vier Zitzen und die Anzahl der Jungen pro Wurf ist entsprechend klein. Wenn das Weibchen das Nest verlässt, kann es sein, dass die Jungen sich an den Zitzen festsaugen und mit herumgetragen werden. Wohlzufühlen schien sich meine Bianca dabei nicht, meistens kehrte sie bald wieder ins Nest zurück und versuchte den Nachwuchs abzustreifen. Für den Transport ist dieses Verhalten aber ganz praktisch, das konnte ich beobachten, als ein vorwitziges Junges aus dem Schlafhaus gefallen war. Bianca bot ihm eine Zitze an, es packte zu und wurde so wieder nach oben verfrachtet.
 

 
Fazit
Akazienratten sind interessante Tiere, denen man gerne bei ihren Aktivitäten zuschauen mag. Man sollte darauf achten, dass der Käfig sich gut einrichten und vor allem gut reinigen lässt. Im Schlafzimmer würde ich sie nicht halten wollen, dazu wäre mir das nächtliche Herumtoben zu laut.



Für die, die mehr wissen wollen, hier noch zwei informative Links:
 
http://www.rodent-info.net/akazienratte_allgemeines.htm
 
http://akazienratten.degus.ch/
 
Und hier gibt es mehr Bilder, auch vom Nachwuchs.
 
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